Mitten in den Pyrenäen im spanischen Sort
fanden Anfang Juni die Weltmeisterschaften im Kanu-Wildwasserrennsport
statt. Bei zunächst perfekten Wetter- und Wasserstandsbedingungen
starteten die Weltmeisterschaften auf der klassischen Distanz.
Sintflutartige Regenfälle ließen bereits am zweiten Tag der WM den
Noguera Pallaresa schnell bis zur Unfahrbarkeit anschwellen und die
Wettkämpfe mussten unterbrochen werden. Es kam zu Streckenverlegungen
und Zeitplanänderungen, die nur von den Organisatoren sondern auch von
den Sportlern einiges abverlangten. Um die vielen Wettkämpfe im Classic
und Sprint durchführen zu können mussten einige Athleten bis zu viermal
am vorletzten Wettkampftag an den Start gehen. Trotz alledem war das
deutsche Team bestens aufgestellt und konnte sich an die immer ändernden
Bedingungen gut anpassen.
Erste Medaille durch Achim Overbeck.

Gleich am ersten Tag der Wettkämpfe sicherte
sich der Braunschweiger Achim Overbeck die
Silbermedaille im Classicrennen der Kajakeiner hinter dem Franzosen Loic
Vinisale. „Damit habe ich selber nicht gerechnet, es war ein hartes
Rennen, ich fühlte mich lahm, aber war es scheinbar nicht“, meinte Achim
später überglücklich im Ziel.
Normen Weber kam im Einercanadier bereits im ersten Teil
der schwierigen Strecke vom Kurs ab und kenterte in der „crazy Mile“,
dem schwersten Stück der Strecke auf dem viele Felsen unübersichtlich
unterhalb der Wasseroberfläche liegen. Insgesamt musste er dreimal in
dem eisigen Wasser Rollen, so dass ihm auf der langen Schlusspassage bis
zum Ziel die nötigen Körner fehlten. Er belegte am Ende Platz 13.
Bester deutscher Teilnehmer war hier Julian Rohn auf
Platz 10.
Gold für die „kleine Schwester“
Nach einer langen verregneten Nacht stieg der
Pegel des Noguera Pallaresa deutlich an, aber die Wettkämpfe der Damen
und der Zweiercanadier am zweiten Tag konnten durchgeführt werden. Alke Overbeck meisterte die Passagen durch die immer höher
werdenden Wellen und Walzen durch das „Glory Hole“ am besten und gewann
für alle völlig überraschend die Goldmedaille bei den Damen. Ihr Bruder
Achim war im Ziel mächtig stolz auf seine kleine Schwester: „Jetzt war
Alke die schnellste Dame der Welt. Jetzt ist nicht nur besser als ich,
sondern war von ihrer Fahrzeit auch noch schneller – einfach Wahnsinn!“

Im Zweiercanadier verpassten die Fuldaer Johannes Baumann und Lars Walter mit Platz
vier und nur einer Sekunde Rückstand auf der fast 19 Minuten langen
Strecke nur knapp einen Medaillenrang.
Hochwasser stoppt die WM
Aufgrund der anhaltenden Regenfälle schwoll
der Pegel des Noguera Pallaresa von einem Rennwasserstand von 70cm³/s
auf über 240 cm³/s an und die weiteren Wettkämpfe wurden vorerst auf
unbestimmte Zeit ausgesetzt. Das deutsche Team nutze die Ruhetage und
bereitete sich auf dem nahe gelegenen See auf die weiteren Rennen vor.
Als dann am Freitagnachmittag feststand, dass alle bis dato gestrichenen
Wettkämpfe am Samstag auf einer verlegten Strecke stattfinden werden,
konnten alle Teams noch schnell ein paar Touren auf der neuen, aber
wesentlich einfacheren und kürzeren Strecke unterhalb von Sort,
absolvieren. Es folgte ein straffes Programm am Samstag, mit zuerst den
beiden Läufen der Teamrennen im Sprint, danach die World Masters und
zuletzt die Teamrennen auf der neuen Classicstrecke.


5 Medaillen bei den Teamrennen
Normen Weber, Julian Rohn und Dominik Pesch sorgten gleich zu Beginn der Teamsprints für
die erste Medaille des Tages. Sie wurden dritte hinter den Teams aus
Frankreich und Croatien. Als Titelverteidiger gingen sie dann am
Nachmittag in die Classicwettkämpfe. Die Enttäuschung war allen dreien
ins Gesicht geschrieben als das Paddel von Dominik in der Startphase
abriss und das Team das Rennen nicht einmal mehr beginnen konnte.
Bei den Damen konnten sich Birgit
Bach, Sabine Füßer und Alke Overbeck
die Silbermedaille im Sprint erpaddeln. Im Classicrennen konnte dann Alke Overbeck ihre Medaillensammlung mit Gold, Silber und
Bronze komplettieren. Sie gewann zusammen mit den Rosenheimerinnen Manuela Stöberl und Maria Hollerieth
Bronze.
Nach den verpassten Medaillen im
Zweiercanadier mit den Plätzen 4 im Classic Einzel und 4 im Teamsprint
konnten sich Johannes Baumann / Lars Walter, Uli
Andree / Patrik Driesch und Maik Schmitz / Nils
Knippling endlich über eine Medaille im Classicteam freuen. Das
deutsche Sextett gewann überlegen die Goldmedaille vor. Damit kehren Uli
Andree und Patrik Driesch bereits zum dritten Mal in Folge mit einer
Goldmedaille von den Weltmeisterschaften nach Hause.
Im Sprintteam noch abgeschlagen auf Platz 8
konnte das deutsche Herrenteam auf der Classicstrecke die Silbermedaille
erpaddeln. Sören Falkenhain, Tobias Bong
und Achim Overbeck lieferten sich ein spannendes Rennen
mit dem Team aus Tschechien, dass dieses dann mit 0,5 Sekunden
Vorsprung für sich entschied.

Baumann-Walter gewinnen Bronze im Sprint
Viele Zuschauer säumten dann das Ufer bei den
Sprintentscheidungen am letzten Tag. In
aussichtsreiche Position konnte sich Normen Weber nach
dem ersten Lauf mit Bestzeit im Einercanadier setzen. Auch im zweiten
Lauf fuhr er eine ähnlich gute Zeit ohne größere Fehler auf der Strecke,
rutschte aber noch auf Position zurück. Dennoch war er mit seinem
Sprintrennen zufrieden: „ Zwei hervorragende Sprintläufe motivieren mich
um in den nächsten 3 Wochen nach Edelmetall auf den Weltcups zu
greifen“.
Als beste deutsche Sportlerin konnte sich Sabine Füßer im zweiten Lauf noch auf Position fünf
verbessern und war nach ihrer langen verletzungsbedingten Pause am
Anfang der Saison äußerst zufrieden mit ihrer Leistung. Im Kajak der
Herren kam Sören Falkenhain als bester deutscher
Sportler auf Platz 7.
Das Fuldaer Duo Johannes Baumann
und Lars Walter sorgten mit ihrem dritten Platz für die
einzige Medaille im Sprint für das deutsche Team: „ Für uns ging jetzt ein Traum in Erfüllung, dass wir neben dem
Weltmeistertitel in der Mannschaft auch noch mit einer Einzelmedaille
zurück nach Fulda kehren, hätten wir vorher nicht erwartet.“

Der Sprint
am Sonntag wurde live im spanischen Fernsehen übertragen. Für die
Zuschauer im Startbereich des Sprints stand eine Leinwand zur Verfügung,
auf der sie alles mitverfolgen konnten. Für die Sportler an sich war es
aber schon ein komisches Gefühl, ins Ziel zu kommen und dort wenn
überhaupt nur die eigene Laufzeit zu erfahren und niemand wusste so
recht, wer gewonnen hat. Eine Weltmeisterschaft, die zwar etwas
chaotisch aber dennoch mit 2 Gold-, 3 Silber- und 3 Bronzemedaillen und
Platz 3 im Medaillenspiegel hinter Frankreich und Tschechien erfolgreich
für das deutsche Team verlief. Erfolgreichste Teilnehmer im deutschen
Team waren die Geschwister Alke und Achim Overbeck, die mit einer
Goldmedaille, drei Silbermedaillen und einer Bronzemedaille nach
Braunschweig zurückkehren werden.
Direkt im Anschluss an die Weltmeisterschaft
macht sich die deutsche Mannschaft auf den langen Weg zu den
Weltcuprennen in Bovec (SLO), Sondrio (ITA) und Lofer (AUT) und versucht
dort an die Erfolge der WM anzuknüpfen.

weitere Fotos von der WM http://www.sort2010.org/ca/fotos/
Videos aus Sort unter http://www.wwtv.it/eng/Sort2010.html