Wildwasser Standard-Training                                                 

Die Anwendung der Standard-Trainingsmethoden im Wildwasser-Rennsport
Zusammengefasst von Bundestrainer Günter Schröter


Ohne die unterschiedlichen Definitionen der Trainingsmethoden zu analysieren, wollen wir unter diesem Begriff ein planmäßiges Verfahren verstehen, das uns im Einklang mit den physiologischen Gesetzen und methodischen Prinzipien hilft, ein bestimmtes Trainingsziel zu erreichen.

Der Wildwasser-Rennsport ist eine Ausdauersportart. Der Organismus des Ausdauersportlers hat schon konstitutionell bestimmte Voraussetzungen. Sie sind durch die Ökonomie seiner Arbeitsweise geprägt.

Im histologischen Querschnittsbild haben die dunklen (slow-twitch) Fasern in der Muskulatur des Ausdauersportlers das Obergewicht. Sie zeichnen sich durch einen beträchtlichen Grad der Kapillarisierung aus und zeigen eine hohe oxydative Fähigkeit.

Diese Fähigkeit hängt mit der biochemischen Struktur der Muskelzelle zusammen. Im Vergleich zum Durchschnittsmenschen ist die Speicherung von Vorräten an Kalium, Kalzium, Magnesium, der energiereichen Phosphate, der Alkalireserven, der biologischen Katalysatoren bei dem Ausdauersportler deutlich erhöht. Höher ist auch die Zahl der Mitochondrien in der Muskelzelle, sowie der Hämoglobingehalt des Blutes, wie auch der Glykogengehalt in Muskelzelle und Leber.

Der Maßstab der Gesamtleistungsfähigkeit ist die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit, die sogenannte vita maxima . Sie ist der Ausdruck des Zusammenspiels der einzelnen Organsysteme, des Blut-, Kardiopulmonal-, Nerven- und Endokrin-Systems. Diese Systeme werden durch Training den ansteigenden Forderungen angepasst.

Die Vergrößerung des Herzens und der damit verknüpften Komponenten (Herzzeitfolumen,
Schlag- und Schlagminutenvolumen, Sauerstoffpuls) ist das erste Merkmal der Angleichung an die erhöhten Ansprüche (regulative Dilatation).

Gesteigert wird auch das Leistungsvermögen der Lunge, das Atem- bzw. Atemminutenvolumen, das Diffusionsvermögen für 0-2. Die arterienvenöse Sauerstoffdifferenz ist vergrößert.

In Ruhe arbeitet der Organismus des Trainierten auf "Schongang". Der Ablauf wird durch den Nervus vagus reguliert Trainingsvagotonie - Trophotrope Phase). Die Puls- und Atemfrequenz, der systolische Blutdruck sind niedrig (Bradycardie, Bradypnoe, Hypotonie).
Das "Restblut" wird in den Blutdepots (Sofortdepots) gespeichert, Atemfrequenz und Muskeltonus sind niedrig.

Bei körperlicher Arbeit (sportlicher Leistung) schaltet sich das vegetative Nervensystem ein, darunter der "nervus sympaticus" (Ergotrophe Phase). Die energiereichen Phosphate (ATP) fangen den ersten Andrang ab. Die Säuerung des Blutes regt die Kapillarisierung an. Der Gesamtquerschnitt der Blutwege erweitert sich. Der Blutdruck in den Peripherien wird dadurch herabgesetzt, die Kreislaufzeit und damit die Kantaktzeit Blut - Zelle wird länger, die Sauerstoffausnutzung steigt. Das Restblut wird in die arbeitende Muskulatur ausgeworfen, es steigt das Minutenvolumen des Herzens und der Lunge, erforderlichenfalls dann Puls- und Atemfrequenz.

Solange die Verbrennung der Glucose bzw. der Fettvorräte durch die 0-2-Zufuhr ausreichend gedeckt wird, spricht man von der aeroben Energiegewinnung. Der "staedy-state" pendelt sich ein, das Leistungsniveau kann lange beibehalten werden (Dauerleistungsgrenze-Pulszahl 130/min.).

Bei einer langandauernden Arbeit, vor allem jedoch bei ansteigender Intensität reicht die 0-2-Zufuhr nicht aus, das 0-2-Gleichgewicht wird verlassen, der Organismus geht eine 0-2-Schuld ein. Es wird die aerob-anaerobe Schwelle (2,5-3-4 mmol/ml) überschritten. Die Laktatkonzentration im Blut steigt an. Die Energie muss auf dem anaeroben Weg (ohne 0-2) gewonnen werden, die Dauer der Leistung ist somit begrenzt. Der Organismus fordert die Erholung, die Tätigkeit muss unterbrochen werden. Die Trainingsmethoden helfen dem Organismus, sich auf diese Anforderungen vorzubereiten.

Die Entwicklung der Methoden und ihrer Definitionen hat fast Geschichte und ist sicher nicht abgeschlossen. Z.B. gliedert Nett 1967 erstmals die "Trainingsmittel" zur Entwicklung der allgemeinen Ausdauer im Dauerlauf, Intervalldauerlauf, Intervallausdauerlauf Fahrtspiel usw.
Das Intervalltraining der Freiburger Prägung (Reindell), weist neue spezifische Merkmale auf.

Die Wiederholungsmethode wird in der ersten Ausgabe von Harre´s Trainingslehre noch gar nicht erwähnt, bei Jäger-Oelschläger´s Kleiner Trainingslehre wird die Möglichkeit ihrer Verbindung mit den Intervallmethoden angedeutet. Die Fartlekdefinition der Autoren Carl-Kaiser ist unterschiedlich zu Röthig´s Lexikon. Viele Beispiele für jeweils abweichende, weiterführende oder nur individuell anders benannte methodische Entwicklungen könnte man noch ausführen.

Die Trainingspraxis des WW-Rennsports ist der Auffassung Letzelter´s nahe. Er gliedert die Trainingsmethode im Ausdauertraining in die Dauer-, Intervall-, Wettkampf- und Kontrollmethode. Die Dauermethode wird weiter in die kontinuierliche und die mit Intensitätswechsel differenziert, die Intervallmethode in die extensive-, intensive und Wiederholungsmethode. Eine Erweiterung der bisher angewandten sportspezifischen Gliederungen ist die Einbeziehung der Wiederholungsmethode in die Intervallmethode, was schon bei Jäger-Oelschläger angedeutet wurde und der Logik sicher entspricht.

Dauermethode
 

Intervallmethode

 

Kontrollmethoden
Wettkampfmethode

Kontinuierlich
Intensitätswechsel

Intensiv
Extensiv
Wiederholungsmethode

Bemerkung

Der Begriff "Intensität" hat in verschiedenen Sportarten unterschiedliche Bedeutung. Das "intensive Training" sieht beim Boxer, Fußballer oder Alpinskifahrer jeweils anders aus. Für die Wildwasserbelange ist es möglich, diesen Begriff dem Ausdruck Schnelligkeit - besser Schnelligkeitsausdauer gleichzusetzen.

Dauermethode - kontinuierlich

wird durch eine lange ununterbrochene Belastung bei mittlerer Intensität charakterisiert. Die Anwendung verfolgt die Verbesserung der aeroben Kapazität, der aeroben Ausdauer.

Die Mindestbelastungsdauer wird von verschiedenen Autoren unterschiedlich empfohlen: Röthig 6 Minuten, Harre 30 Minuten, Aaken mehrere Stunden oder allgemein mit "1-3 Leistungseinheiten", d. h. 100-300 % der Zeit bzw. Länge der vorzubereitenden Wettkampfstrecke. Sie ist sicher von der Sportart abhängig.

Sogar über die Intensität besteht keine volle Übereinstimmung. Die Trainingspraxis der letzten Zeit lehnt die niedrige und hohe Belastungsintensität nicht grundsätzlich ab. Belastungsreize der niedrigen Intensität führen so gut wie zu keiner Leistungssteigerung. Sie erlauben jedoch die gezielte Schulung der Technik, die Koordination, die tragen zur Ökonomisierung der Kreislauftätigkeit, zu Stabilisierung des vegetativen Nervensystems bei. Die hohe Intensität wird als wirksamer angesehen, die anaerobe Komponenten werden mittrainiert.

Dauermethode mit Intensitätswechsel

wechselt ohne Pause die Phasen mit einer unterschiedlichen Intensität. Dies geschieht planmäßig nach einem bestimmten Schema oder willkürlich nach dem persönlichen Empfinden des Trainierenden (Fartlek). Das Ziel dieses Vorgehens ist das Über der Umstellungsfähigkeit das Geschwindigkeitsveränderungen währen des Wettkampfes. Es wird eine 0-2-Schuld eingegangen, das 0-2-Gleichgewicht verlassen, die anaerobe Kapazität gesteigert. Die erhöhte Laktatkonzentration wird jedochj in der danach folgenden Belastungsphase mit niedriger Intensität beseitigt.

Die Schemata der planmäßigen Alternativen sind grundsätzlich sportspezifisch und weisen wesentliche Unterschiede auf . (Wechselmethode)

Die typischen Merkmale der Fartlekmethode sind durch das wechselreiche Gelände der skandinavischen Wälder geprägt worden. Ursprünglich (um 1930) verstand man unter diesem Ausdruck den Geländelauf mit festgelegter Intensität auf bestimmten Abschnitten und Gymnastikeinlagen dazwischen. Im Lauf der Jahre änderte sich der Sinn des Wortes und die Inhalte der Methode. Die derzeitige Auffassung haben die Autoren Klaus Carl - Dietrich Kaiser 1976 in ihrem Artikel zum Ausdruck gebracht: Die Trainingsmethode innerhalb der Dauermethode, die durch den spielerischen Wechsel der Geschwindigkeit gekennzeichnet ist. So wird der Fartlek auch von uns verstanden.

Dies ist der Anfang meiner Ausarbeitung. Das komplette Dokument könnt Ihr hier als PDF-Datei anschauen oder herunterladen.

Günter

Versicherungsbüro Zander
Adidas Eyewear
Retterspitz

Coldriver
Vaude